Deine Rolle als Pflegemama bei der Adoption – mehr als nur die Katze vorzustellen

Deine Rolle als Pflegemama bei der Adoption – mehr als nur die Katze vorzustellen

Wenn du dabei hilfst, eine Adoption vorzubereiten, besteht deine Aufgabe nicht nur darin, die Katze zu präsentieren, sondern ehrliche – manchmal auch unbequeme – Gespräche zu eröffnen.
Das sind die zentralen Themen, die du bewusst mit potenziellen Adoptant:innen ansprechen solltest. Achte dabei genau auf ihre Reaktionen – nicht nur auf das, was sie sagen, sondern darauf, wie schnell sie zustimmen, hinterfragen oder relativieren.

Oft sagen Reaktionen mehr aus als Antworten.

1. Commitment & Verantwortung (nicht verhandelbar)

Sprich offen darüber, ob die Person bereit ist, sich so zu verpflichten, wie Eltern sich einem menschlichen Kind verpflichten.

Bringe konkrete Alltagsszenarien ein:

  • Familienmitglieder, die die Katze nicht akzeptieren
  • Ein Jobangebot, das häufiges Reisen erfordert
  • Eine Lebensstiländerung, die dauerhaft weniger Zeit für die Katze bedeutet

Mache klar: In diesen Fällen ist Weitervermittlung keine akzeptable Lösung.
Zögern oder der Versuch, Ausnahmen auszuhandeln, sind wichtige Signale für die Entscheidungsfindung.

Sprich auch über Verhaltensprobleme:
Genau wie bei einem menschlichen Kind gilt: Wenn Probleme auftreten, sucht man professionelle Unterstützung – man gibt nicht auf.
Achte darauf, ob die Person Verhalten als vorübergehende Herausforderung oder als Ausschlusskriterium sieht.

2. Wohnsituation & Umfeld (besonders in der Stadt)

Stelle gezielte Fragen zur Wohnung und erkläre klar, warum Katzennetze an Balkon und Fenstern essenziell sind.

Betone:

  • Sicherer Zugang zu Tageslicht und Außenblick ist ein psychisches Grundbedürfnis, kein Luxus
  • Katzen ohne diesen Zugang können psychisch leiden

Beobachte die Reaktion:

  • Wird das sofort verstanden?
  • Gibt es Widerstand, Relativierung oder Aussagen wie „Das schauen wir später“?

Diese Reaktionen sollten unbedingt ernst genommen werden.

3. Realistische Erwartungen an die Eingewöhnung

Erkläre deutlich: Adoption ist ein Prozess, kein Sofortergebnis.

Klare Erwartungen:

  • Die vollständige Eingewöhnung dauert meist 3–6 Monate
  • Stressverhalten (Weinen, Verstecken, Rückzugsversuche zur alten Umgebung) ist normal
  • Unfälle können passieren und müssen aktiv verhindert werden

Frage nach der Bereitschaft zu:

  • Geduld
  • Konsequenz
  • Einer strukturierten Eingewöhnung nach bewährten Tierschutzrichtlinien

Ungeduld oder Widerstand an diesem Punkt sind wichtige Warnsignale.

4. Katzennetz vor der Adoption – kein „später“

Sei hier klar und konsequent.

Aus jahrelanger Erfahrung:

  • Verzögerungen beim Netz führen zu einem Teufelskreis: Die Katze bleibt gestresst und kommt nicht zur Ruhe
  • Pflegestellen sind meist bereits ausgestattet – deshalb wirken Katzen dort oft ausgeglichener

Wenn jemand sagt:

„Wir machen das Netz, sobald die Katze sich eingelebt hat“

Erkläre:

Die Katze kann sich ohne diese Ressource nicht vollständig einleben.

Das ist ein entscheidender Punkt – hier ist klare Übereinstimmung notwendig.

Checkliste zur Einschätzung von Adoptant:innen (für Pflegestellen)

Nutze diese Liste aktiv in Gesprächen:

Commitment & Haltung

☐ Akzeptiert lebenslange Verantwortung ohne Ausnahmen
☐ Denkt bei Lebens- oder Familienänderungen nicht an Weitervermittlung
☐ Sieht Verhaltensprobleme als etwas, das man mit professioneller Hilfe angeht

Zuhause & Umfeld

☐ Ist bereit, Balkon- und Fensternetz zu installieren
☐ Versteht, warum Licht und Außenblick essenziell sind
☐ Lebt in einer stabilen, katzengerechten Umgebung

Erwartungen & Geduld

☐ Kennt und akzeptiert die 3–6 Monate Eingewöhnungszeit
☐ Akzeptiert Stressverhalten als normal
☐ Ist bereit, Zeit und Energie in die Übergangsphase zu investieren

Praktische Vorbereitung

☐ Netz ist vor Einzug der Katze installiert
☐ Offen für Begleitung durch Pflegestelle und Adoptionsteam
☐ Spielt Bedenken nicht herunter oder ab

Abschließende Notiz für Pflegestellen

Dein Bauchgefühl zählt.
Wenn etwas überhastet, verharmlost oder „zu einfach“ wirkt, halte inne und sprich es mit dem Adoptionsteam an.
Erfolgreiche Adoptionen entstehen dann, wenn Commitment, Umfeld und Erwartungen von Anfang an zusammenpassen.

Ähnliche Beiträge