Warum wir über das Leben unserer Katzen nachdenken sollten: Drinnen vs. Draußen

Warum wir über das Leben unserer Katzen nachdenken sollten: Drinnen vs. Draußen

Stell dir vor: Freiheit, die gar keine ist. Viele Menschen glauben, dass Katzen nur dann glücklich sind, wenn sie frei herumstreifen. Doch die Wahrheit kratzt gewaltig am Mythos: Für unkontrolliert draußen lebende Katzen steigt das Risiko eines viel zu frühen Todes dramatisch. Genau deshalb möchten wir alle Katzenhalterinnen und -halter einladen, einen Moment lang innezuhalten und ehrlich zu reflektieren, was wirklich im besten Interesse ihrer Samtpfoten liegt.

Drinnenkatzen leben länger – deutlich länger

Katzen, die ausschließlich in der Wohnung leben und dort gut beschäftigt und sicher gehalten werden, erreichen im Durchschnitt ein Alter von 12 bis 20 Jahren.

Katzen, die sich selbst draußen überlassen sind, sterben dagegen häufig vor ihrem 5. Lebensjahr.
Der größte Risikofaktor: der Straßenverkehr.

Ein groß angelegtes europäisches Survey-basiertes Forschungsprojekt (ScienceDirect, 2022) zeigt:

  • Verkehrsunfälle gehören zu den tödlichsten Risiken für frei roamende Katzen.
  • Rund 70 % der in einem Unfall verwickelten Katzen überleben ihre Verletzungen nicht.

Allein diese Zahlen verdeutlichen, warum das „Frei herumlaufen“ kein ungefährliches Katzenabenteuer ist, sondern ein ernstes Lebensrisiko.

Weitere Gefahren draußen

Wenn Katzen nicht durch Autos sterben, lauern draußen zahlreiche weitere Bedrohungen:

  • Infektionen wie FeLV, FIV, FIP, Toxoplasmose,
  • Angriffe durch andere Tiere,
  • Verlust, Entführung oder Verschleppung,
  • gezielte Tierquälerei (Schießen, Vergiften, Fallen, Verbrennen).

Viele dieser Krankheiten sind nicht testbar oder erst im Spätstadium erkennbar und können zudem auf andere Haustiere übertragen werden.

Wir als Tierschützerinnen und Tierschützer haben all diese Szenarien bereits erlebt. Sie sind real.

Sind „Draußenkatzen“ wirklich glücklicher?

Das glaubt man oft – aber es stimmt nicht.
Katzen sind am glücklichsten, wenn sie gesund, sicher, gut versorgt und mental stimuliert sind. All das ist in der Wohnung möglich, ohne tödliche Risiken.

Drinnen halten ist kein Egoismus, sondern Fürsorge – ein sicheres Zuhause schenkt Katzen ein längeres, glücklicheres Leben. Die Frage ist, ob ich altruistisch genug bin, die nötigen Anpassungen in meinem Zuhause vorzunehmen.

Warum Leinen-Spaziergänge oft keine gute Idee sind

Katzen sind – anders als Hunde – nur halbzahm.
Hunde wurden über Zehntausende Jahre gezielt domestiziert. Katzen dagegen sind den Wildkatzen genetisch noch immer erstaunlich ähnlich, und ihre Instinkte können durch bestimmte Reize sehr leicht aktiviert werden.

Ein einziges Erlebnis draußen kann:

  • Jagdinstinkte,
  • Fluchtverhalten,
  • den Drang nach „Freiheit“

dauerhaft auslösen.

Vor allem bei extrovertierten oder impulsiven Katzen führt das schnell dazu, dass sie ständig nach draußen wollen – und damit allen genannten Risiken ausgesetzt wären. Leinen-Spaziergänge können genau dieser Trigger sein.

Stattdessen können wir ihre Bedürfnisse problemlos drinnen erfüllen:

  • ein katzensicher vernetzter Balkon,
  • abwechslungsreiche Umgebung,
  • Kletter- und Kratzmöglichkeiten,
  • Spielangebote, die Jagd simulieren.

So bekommt die Katze ihren „Wildkatzen-Kick“ – ohne reale Gefahr.

Entscheidungen treffen, die wirklich im Sinne der Katze sind

Viele Gewohnheiten stammen aus einer Zeit, in der die Welt - oder unserer Heimatort - anders war.
Heute ist der Verkehr dichter, es gibt mehr Gefahren, mehr Umweltgifte, mehr Menschen, die Katzen nicht im eigenen Garten sehen wollen und ihnen schaden.

Die Frage ist nicht:
„Haben wir das früher auch so gemacht?“
Sondern:
„Was ist heute das Sicherste und Beste für unsere Katze?“

Organisationen, Tierschutzvereine und Expertinnen weltweit sind sich einig:
Katzen gehören sicher nach drinnen – oder in gesicherte Außenbereiche wie Catios.

Fazit

Wenn wir Katzen wirklich schützen wollen, müssen wir anerkennen, dass ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden nicht mit unkontrolliertem Freigang vereinbar sind.

Ein katzenfreundliches Zuhause bedeutet:

  • ein langes Leben,
  • ein gesundes Leben,
  • ein glückliches Leben.

Und das ist letztlich das, was wir alle für unsere geliebten Tiere wollen.

Wenn Fürsorge jetzt "Helikopter" bedeutet, dann fliege ich eben gern. 💚

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